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Nach wochenlangen Oppositionsprotesten ist der erste demokratisch gewählte Präsident der Malediven, Nasheed, zurückgetreten. Vizepräsident Hassan übernahm die Amtgeschäfte. Maledivische Medien hatten zuvor von einem Putschversuch auf der südasiatischen Inselkette berichtet.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
[Bildunterschrift: Mohamed Nasheed galt nach seiner Wahl zunächst als Hoffnungsträger. ]
Für die Touristen, die weit entfernt von der Hauptstadt auf einer der mehr als 1000 Inselchen an weißen Sandstränden liegen, dürften die Vorgänge in der Hauptstadt weitgehend unbemerkt geblieben sein. Doch auf den Malediven rumort er politisch seit Wochen: Fast jeden Tag gingen zuletzt in der Hauptstadt Male Protestierende auf die Straße.
Inmitten dieser Unruhen hat Präsident Mohammed Nasheed nun abgedankt: "Ich möchte nicht mit eiserner Faust regieren. Es ist in der derzeitigen Situation besser für das Land, wenn ich zurücktrete", so der Präsident in einer Ansprache wörtlich.
Ausschlaggebend dafür dürfte auch die Meuterei von Nasheeds eigenen Sicherheitskräften gewesen sein: Zahlreiche Polizisten weigerten sich nicht nur, gegen die Demonstranten vorzugehen, sondern schlossen sich ihnen sogar an. Das bestätigte der Sprecher des zurückgetretenen Präsidenten, Paul Roberts, per Telefon aus Male.
Die Lage in der Hauptstadt sei ansonsten aber weitgehend ruhig, so Roberts: "Das ist keine riesige Revolution oder so ähnlich. Es sind nur ein paar hundert Menschen, die sich mit den Sicherheitskräften verbündet und einen Coup angezettelt haben."
Zunächst soll nun der bisherige Vizepräsident Mohammed Waheed Hassan die Amtsgeschäfte übernehmen. Präsident Nasheed galt auf den Malediven lange als Vorkämpfer für die Demokratie: Er saß öfter im Gefängnis, weil er gegen die Alleinherrschaft seines Vorgängers ankämpfte.
2008 schließlich, nach den ersten demokratischen Wahlen im Urlaubsparadies, wurde er selbst Präsident und erklärte medienwirksam Journalisten und Bevölkerung, wie ausschweifend sein Vorgänger gelebt hatte, zeigte in dessen Palast unter anderem goldene Toiletten vor. "Die Präsidentschaft hat bisher 150 Millionen Dollar gekostet. Das können wir uns schlicht nicht leisten", so Nasheed von rund drei Jahren. Er erklärte, die Ausgaben auf vier Millionen Dollar gesenkt zu haben.
Überhaupt hatte der jetzt zurückgetretene Präsident stets eine Vorliebe für aufsehenerregende Aktionen. Um auf die Gefahren des Klimawandels für sein Inselreich hinzuweisen - die Malediven drohen die laut Forschern tatsächlich, eines Tages im Ozean zu ertrinken - steckte er seine Politiker-Kollegen in Taucheranzüge und hielt eine Unterwasser-Kabinettssitzung ab.
Vor einigen Wochen jedoch hatte Nasheed in anderer Hinsicht Schlagzeilen gemacht - und war nach Einschätzung von Beobachtern vom demokratischen Pfad deutlich sichtbar sichtbar abgewichen, als er einen Richter vom Militär hatte festnehmen lassen.
Viele fürchten, dass die politische Krise auf dem an und für sich moderat muslimischen Inselstaat vor allem einer Gruppe nützt: den Islamisten. Die hatten Anfang des Jahres auf den paradiesischen Inseln schon einmal kurz ihre Muskeln spielen lassen , als sie unter anderem verlangten, Massagesalons sofort zu schließen, weil dies verkappte Bordelle seien - und auch Alkohol zu verbieten. Da die Malediven aber vom Tourismus abhängig sind, waren diese Forderungen nicht umgesetzt worden.
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