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In China sind die fünf Olympiamaskottchen ein Verkaufsschlager. Kinder finden sie niedlich - die Erwachsenen nicht unbedingt. Geschaffen hat sie der erfolgreiche Karikaturist Han, der einst durch das Regime gefoltert wurde und für seine Entwürfe fast nichts bekam.
Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking
[Bildunterschrift: Maskottchen-Erfinder Han Meilin hat viel Ärger mit der Olympia-Bürokratie. ]
Han Meilin hält eine Zeichnung von Huan Huan hoch. Huan Huan ist eines der fünf Olympiamaskottchen. Sie sind so bunt wie die olympischen Ringe. Huan Huan ist rot und hat Haare, die wie Feuer lodern. So wie alle der fünf Maskottchen hat es Kulleraugen und einen kleinen runden Bauch. Vor allem bei den Kindern kommen die Maskottchen gut an.
Bei den Erwachsenen allerdings sind sie umstritten. Von ihnen werden sie manchmal auch bösartig die "Fünf Schrecklichen" genannt. "Wie die Chinesen so schön sagen: Man kann nicht den Geschmack von allen treffen", sagt Han. "Wenn nur 60 Prozent aller Leute sie mögen, dann ist das doch OK." Höhere Erwartungen habe er gar nicht.
Han gilt als einer der besten Karikaturisten Chinas. Seine Skulpturen schmücken öffentliche Plätze, zwei Museen wurden ihm gewidmet. Eines davon ist in der Stadt Hangzhou, das andere in Peking. Han gilt als Zeichner mit Biss und Witz. Als er den Auftrag bekam, die Maskottchen zu malen, war er stolz und glücklich.
Dossier:
Damals wusste er noch nicht, was auf ihn zukam - und, dass nicht er, sondern die chinesische Regierung und das Internationale Olympische Komitee darüber bestimmten, wie die Olympiamaskottchen aussehen: "Das war echt schwierig", sagt er. "Manchmal kam ein Entwurf zurück und da stand dann einfach daneben: Nicht lebendig oder zu steif. Sie haben keinen Vorschlag gemacht, sondern einfach nur daneben geschrieben: nicht lebendig genug." Manchmal seien sie wirklich genervt gewesen, wenn sie die Maskottchen schon wieder verändern sollten.
Sie hätten auch nicht malen dürfen, was sie wollten: "Wir hatten einen Drachen gemalt, der war echt süß." Der ehemalige IOC-Chef Juan Antonio Samaranch und der jetzige Präsident Jacques Rogge meinten aber: Ein Drache sei nicht gut. Sie hätten darauf bestanden, dass ein Drache etwas Teuflisches hat. "Ich weiß, ich bin unhöflich, aber wenn ich der Designer gewesen wäre - dann wären die Maskottchen lustiger", sagt Han. "Aber, ich musste machen, was sie sagen. Sie sind hohe Beamte. Sie haben mir Anweisungen gegeben und ich hatte keine Wahl."
[Bildunterschrift: Bunte Viefalt: Hans Maskottchen-Entwürfe ]Der 72-Jährige Han nimmt kein Blatt vor den Mund. In den 60er Jahren, als in China die Kulturrevolution tobte, galten Intellektuelle in den Augen der kommunistischen Garden als Übel der Gesellschaft. Er wurde ins Gefängnis gesteckt und gefoltert. Aber nach seiner Entlassung kehrte er nicht als gebrochener Mann zurück. Schüler von ihm bezeichnen ihn als "großen Jungen", als "alten Mann, der unerschrocken, kindlich und naiv ist". Han ist blitzschnell, lebendig und versucht das Leben von der heiteren Seite zu betrachten.
Seine Maskottchen sind in den Souvenirläden Chinas ein Verkaufsschlager. Han aber - ihren Erfinder - haben sie nicht reich gemacht: "Als ich den Vertrag unterschrieben habe... naja, jeder weiß doch: dabei sein und mitmachen ist alles, das macht doch schon glücklich. So eine Gelegenheit kommt einmal in 100 Jahren. Da denkt man nicht ans Geld." Er habe den Vertrag unterschrieben, ohne ihn zu lesen. "So ein Vertrag ist dick. Der besteht aus viel Papier. Ich habe keine Geduld so etwas zu lesen. Erst als ich ihn unterschrieben hatte, habe ich erfahren, dass ich ein symbolisches Gehalt von einem Yuan bekomme." Ein Yuan sind umgerechnet zehn Cent.
Ein hoher Beamter setzte sich dann dafür ein, dass Han doch bezahlt wurde. Sein Gehalt spendete er für den Bau von fünf Schulen. Und die tragen - wie kann es anders sein - die Namen der fünf olympischen Maskottchen.