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20.05.2012

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Ausland
Syrien: Der Machtapparat der Familie Assad
Hintergrund zur Lage in Syrien

Der Machtapparat der Familie Assad

Er galt als arabische Lichtgestalt, als Reformer. Doch angesichts der anhaltenden Proteste zeigt Syriens Machthaber Assad sein wahres Gesicht. Mit brutaler Gewalt geht er gegen die Bevölkerung vor. Befürchten muss er wenig, denn die Armee und die Sicherheitskräfte stehen hinter ihm.

Von Ulrich Leidholdt, ARD-Hörfunkstudio Amman

"Keiner kann uns stoppen! Sollen die Hunde doch kläffen wie sie wollen!" - so enthüllt Syriens Außenminister Walid al Muallim in vier Sekunden den Charakter seiner Regierung. Und Präsident Baschar a Assad beteuert: "Was hier passiert, hat nichts mit Reformen zu tun. Das ist Sabotage!"

So sehen Assad und seine Eliten den Protest ihrer Bevölkerung, der seit Mitte März anhält und bald 2000 Menschen das Leben kostete. Für sie bleibt es eine Verschwörung des Auslands. Nur drei Mal in drei Monaten hat sich Assad zu Wort gemeldet. Ansonsten blieb der gelernte Augenarzt in der schwersten Krise seiner elfjährigen Amtszeit unsichtbar.

Assad - vom Hoffnungsträger zum Despoten

Präsident Assad Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Einer der wenigen öffentlichen Auftritte während der Proteste: Präsident Baschar al Assad bei einer Rede im März. ]
Sein brutaler Apparat versuchte derweil, den Widerstand großer Teile der Bevölkerung niederzuschlagen. Assad nennt diese Demonstranten auch schon mal "Ungeziefer". Sein System ist ein Geflecht aus autokratischer Führung, allgegenwärtigen Geheimdiensten, zu allem entschlossenen Spezialeinheiten und einer krakenartigen Staatsbürokratie - alle zusammen halten das Land fest im Griff.

Dabei sah bei Assads Start alles nach einem Kurswechsel aus. Anders als Vater Hafez gab sich Baschar modern. Er lockerte die Fesseln der sozialistischen Staats-Ökonomie, gab privaten Unternehmern eine Chance. "Viele hielten Assad für einen Reformer, auch Politiker im Westen. Tatsächlich heißen seine Reformen Kugeln und Maschinengewehre", sagt Syrien-Kenner Osama Mujajed. Sein Urteil hat eine Vorgeschichte: Politisch eiferte Assad schnell seinem Vater nach oder musste es unter dem Druck seiner alter Garde tun. Die machte ihm schnell klar, dass der "Damaszener Frühling" 2005 ihnen gar nicht passte. Politische Debatten, Freiheit der Kunst - das endete für viele Intellektuelle rasch in einem der berüchtigten Staatsgefängnisse.

Gleichwohl feierten Assad-Beobachter wie Samir Seifan in Damaskus ihn noch vor einem Jahr als arabische Lichtgestalt. "Er stand auf gegen die Besetzung Iraks und den Angriff Israels auf Gaza. Das bedeutet normalen Arabern sehr viel. Für sie ist Assad die Nummer eins. Dafür lieben sie ihn."

Assads Bruder - intelligent, organisiert, grausam

Schon lange lieben ihn dafür aber nicht mehr alle Syrer. Vor allem ist Assads Umfeld weithin verhasst. Allen voran Baschars Bruder Maher. "Ein Sadist", sagt die Opposition.

In einem Video von den Aufständen sei zu erkennen, wie er mit eigener Hand auf unbewaffnete Demonstranten schießt. Bestätigt ist das nicht, zutrauen würden es ihm viele. Maher halten sie für den wahren Oberbefehlshaber. Er führt die zum Machterhalt unverzichtbaren Einheiten: die Republikanische und die Präsidentschaftsgarde sowie die vierte Panzerdivision - alle mit eigenen Geheimdiensten. Sie sind auf ihren Führer und das Regime eingeschworen, exzellent trainiert und deutlich besser ausgerüstet als die 600.000 Soldaten und Reservisten der regulären Armee.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad (r) und sein Bruder Maher (Archivbild vom 13.06.2000) (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Arbeitsteilung unter Despoten: Baschar al-Assad (rechts) leitet die Regierungsgeschäfte, sein Bruder Maher befehligt den Sicherheitsapparat. ]

Maher al-Assad hat die Spezialkräfte nach seinen Vorstellungen geformt. Von Kennern wird er als hoch intelligent, gut organisiert und grausam beschrieben. Vater Hafez hatte die Zukunft der seit 1970 herrschenden Assad-Dynastie frühzeitig geordnet: Baschar als zwar etwas schüchterner, aber mehrsprachig eloquenter politischer Führer, Maher als Mann für’s Grobe, als Vollstrecker - Arbeitsteilung unter Despoten.

Umgeben sind sie von einer Clique aus Familien- und Freundschaftsbeziehungen. Ganz dicht dran am Präsidenten ist Rami Makhlouf. Der milliardenschwere Wirtschaftsboss besitzt Syriens größten Mobilfunkanbieter, Immobilien, Baufirmen und Duty-Free-Shops. Makhlouf gilt als Bankier der herrschenden Familie und wird hinter vorgehaltener Hand Mr. Fünf Prozent genannt, weil er überall mitkassiert oder sich rüde neue Geschäfte unter den Nagel reißt. Sein Bruder ist passenderweise Geheimdienstchef von Damaskus.

Offene Worte des engen Vertrauten

Nun musste Makhlouf überraschend aus der ersten Reihe zurücktreten. Offenbar hatte sich der Präsident über ein Interview geärgert. Der New York Times sagte der Tycoon, was der syrischen Opposition längst klar ist: Die Regierung werde bis zum Ende um ihre Macht kämpfen, selbst wenn das Chaos oder Krieg im Nahen Osten bedeute.  

Der syrische Multimillionär Rami Makluf (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Zu offen für Assad? Der Cousin des Präsidenten, Makhlouf, musste zurücktreten. ]
Solche Offenheit passt Assad nicht in den Kram, der seit Beginn der Aufstände alles daran setzt, ausländische Medien aus Syrien fernzuhalten. Die Protestbewegung wertet Makhloufs angeblichen Rückzug ins Private als Kosmetik, als Trick, die Symbolfigur staatlicher Vetternwirtschaft aus der Schusslinie zu nehmen.

Für die Opposition habe das keine Auswirkungen, glaubt Hilal Khashan von der Amerikanischen Universität Beirut. "Der Protest in Syrien besitzt keine echte Organisation. Die politische Führung hat systematisch jede Zivilgesellschaft zerstört. Die Opposition hat keine Führung. Ich sehe deshalb nicht, dass sie das Land politisch übernehmen könnte", so seine Einschätzung.

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Stand: 31.07.2011 13:04 Uhr
 

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